MusiTanten“ im Kulturbahnhof Idstein

Ausgelassen, getragen, voll Schwung: Die gesamte Bandbreite des Chorgesangs präsentierten die „MusiTanten“ aus Nieder„-Oberrod bei ihrem Konzert im Idsteiner Kulturbahnhof.

 


Die „MusiTanten“ unter der Leitung der temperamentvollen Dirigentin Enikö Szendrey (rechts) zeigen im Kulturbahnhof eindrucksvoll ihre musikalischen Qualitäten. Foto: Patricia Bastian-Geib

 

IDSTEIN - „You’ll Never Walk Alone“ – gleich das erste hymnenartig vorgetragene Stück geht unter die Haut. Vom Broadway in die Fußballstadien schaffte es das Lied und nun also auch in den Idsteiner Kulturbahnhof. Ein stimmungsvoller Auftakt des Konzerts, mit dem die „MusiTanten“ nicht nur ihre seit 66 Jahren bestehende Frauenchor-Tradition feiern, sondern auch das 20. Dienstjubiläum der Chorleiterin Enikö Szendrey.


Temperamentvolle Dirigentin hat die Musik im Blut

Ihren ersten Auftritt hatte Szendrey bereits im Alter von sechs Jahren im ungarischen Fernsehen. Als Gage gab es ein halbes Hähnchen ganz für sie allein. Später begeisterte sie das Publikum mit Soloauftritten. Von 1990 bis 1993 gehörte sie zum Ensemble des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden. Danach intensivierte sie ihr musikpädagogisches und chorleiterisches Engagement, und seit 1999 leitet sie den Chor aus Nieder-Oberrod.

„Das multikulturelle Energiebündel hat uns mit Kompetenz und Optimismus durch alle Höhen und Tiefe geführt“, sagt ein Chormitglied. Sabine Steinmetz, die unterhaltsam, locker und versiert durch das Programm führt, meint: „Enikö hat Musik im Blut und die Gruppe mit ihrem Temperament stets mitgerissen und weiterentwickelt.“

Anfänglich trägt Steinmetz eine Schärpe im Schottenkaro über der Schulter und eine „Shamrock-Girlande“ um den Hals. Shamrock, dreiblättriger, junger Klee, ist das inoffizielle Nationalsymbol Irlands. Überhaupt haben die Chordamen das Thema des Abends – Irland und Schottland – mit viel Engagement und Ideen bis ins Detail stimmig aufgegriffen. In guter alter Pub-Tradition gibt es sogar Guiness-Bier und selbst gebackene Snacks. Auf einer Leinwand werden Fotos von echt irischen Motiven gezeigt, darunter natürlich immer wieder Schafe. Zusammengestellt hat die Show Christine Rappl.

Auch das dargebotene Repertoire kreist um irischen und schottischen Folk. Auf dem Piano wird die Gesangsgruppe von Silke von der Heidt, der Leiterin der Musikschule Idstein, begleitet.
Die Sängerinnen beherrschen sowohl die leisen als auch die schwung- und kraftvollen Töne. Das Stück „Music is My Life“ charakterisiere die Dirigentin und die Einstellung des Chors, betont Steinmetz. Humorvoll und kenntnisreich führt sie in die Stücke ein, erzählt zum Beispiel von der Fischhändlertochter Molly Malone und gibt Einblicke in das Lied „The last Rose“, das in der Oper „Martha“ verwendet wurde und auf ein Gedicht von Thomas Moore zurückgeht. Claudia Adami trägt es als beeindruckendes Solo vor und wird vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt.

Auch bei der ungewöhnlichen Interpretation von „What Shall We Do With the Drunken Sailor?“ glänzen die „MusiTanten“. In mitreißende Schwingung kommen der Chor und vor allem dessen Leiterin bei der flotten Feierhymne „Hi! Ho! The Rattlin´ Bog“.
Man merkt dem Ensemble die Freude an der Musik und die Verbundenheit untereinander an. Da bleibt natürlich der frenetische Beifall nicht aus. Als Zugabe singen die Damen „Amazing Grace“, umgedichtet zur Dankeshymne an ihre künstlerische Leiterin Szendrey.
Zum überraschenden Abschluss haben sie sich dann noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen und einen Dudelsackspieler engagiert.

Patricia Bastian-Geib für Wiesbadener Kurier / Idsteiner Zeitung 09.09.2019